Im Xùguà Zhuàn (der Reihenfolge der Hexagramme) heißt es: Kǎn bedeutet Sinken; wer versinkt, muss unfehlbar woran haften, darum folgt darauf Lí (Das Haftende). Lí bedeutet Anhaften.
Versinkt man mitten in Gefahr und Mühsal, so muss man sich naturgemäß an etwas anlehnen und haften; dies ist die natürliche Ordnung der Dinge, und darum folgt Lí auf Kǎn. Lí bedeutet Anhaften, und es bedeutet Helle.
Betrachtet man das Anhaften des Yin an den oberen und unteren Yang-Linien, so ergibt sich der Sinn des Anhaftens; betrachtet man die Leere im Innern, so ergibt sich der Sinn der Klarheit und Helle.
Lí ist das Feuer; das Wesen des Feuers ist innen hohl, es haftet an den Dingen und spendet Licht. Zudem ist es die Sonne, gleichfalls als Bild hohler, durchscheinender Helle.
Lí bedeutet Anhaften: Unter allen Wesen gibt es keines, das nicht an etwas haftete; wo Form ist, da ist auch Anhaften.
Auf den Menschen bezogen sind es die Nächsten, denen man sich anschließt, die Wege, die man beschreitet, und die Pflichten, denen man vorsteht – all dies ist das, woran man haftet.
Woran der Mensch haftet, erfordert förderliche Beharrlichkeit; trifft man das Rechte, so gelangt man zu Gelingen und Durchgang. Daher heißt es: »Lí: Fördernd ist Beharrlichkeit; es bringt Gelingen.
Das Pflegen der Kuh bringt Heil.« Das Wesen des Rindes ist Folgsamkeit, und als Kuh verkörpert sie höchste Ergebenheit. Haftet man am Rechten, so muss man dem rechten Wege willig folgen; handelt man wie die Kuh, so bringt dies Heil.
»Das Pflegen der Kuh« bedeutet, diese ergebene Tugend in sich zu nähren. Die Hingabe des Menschen reift erst durch Pflege heran; haftet man am Rechten, soll man sich darin üben und pflegen, um die Tugend der Folgsamkeit zu vollenden. Das Urteil sagt: Lí bedeutet Anhaften.
Sonne und Mond haften am Himmel, die hundert Feldfrüchte, Kräuter und Bäume haften an der Erde. Lí bedeutet Anhaften, sich anschmiegen.
Gleichwie Sonne und Mond am Himmel haften und Feldfrüchte, Kräuter und Bäume an der Erde haften, so haftet ein jedes der zehntausend Wesen an seinem Orte; zwischen Himmel und Erde gibt es kein Ding, das ohne Halt bestünde.
Der Mensch muss sorgsam prüfen, woran er haftet; haftet er am Rechten, so vermag er Gelingen zu erlangen. Verdoppelte Helle haftet am Rechten und wandelt so die Welt zur Vollendung. Dies spricht von den Gaben des Hexagramms: Oben wie unten steht Lí, das ist verdoppelte Helle.
Die Fünfte und die Zweite weilen beide in mittiger Korrektheit und haften am Rechten. Wenn Herrscher und Diener, Oben und Unten, lichte Tugend besitzen und in der Mitte und im Rechten weilen, so vermögen sie die Welt zu wandeln und eine Kultur der Klarheit zu vollenden.
Das Weiche haftet an der mittleren Position und Lauterkeit, daher Gelingen; darum bringt das Pflegen der Kuh Heil. Die Zweite und die Fünfte haften in sanfter Ergebenheit an Mitte und Lauterkeit, darum vermögen sie Gelingen zu erwirken.
Vermag der Mensch höchste Folgsamkeit zu pflegen, um an Mitte und Lauterkeit zu haften, so bringt dies Heil; daher heißt es: »Das Pflegen der Kuh bringt Heil«.
Mancher mag einwenden: Die Zweite ist freilich mittig und korrekt; die Fünfte aber ist eine Yin-Linie auf Yang-Platz – kann sie da als korrekt gelten?
Die Antwort lautet: Lí nimmt seinen Hauptsinn aus dem, woran gehaftet wird; der fünfte Platz ist die mittig-korrekte Herrscherstätte – haftet die Sechs an dieser rechten Stätte, so wird sie dadurch recht.
Versteht der Lernende den Sinn der Zeit und verliert das rechte Maß von Wichtigem und Leichtem nicht, so vermag er vom Buch der Wandlungen zu sprechen.