Ein Edler, der mühvoll und bescheiden sein kann, wird von den zahllosen Scharen geehrt und geachtet.
Im Xici heißt es: »Er müht sich ab, rühmt sich dessen aber nicht; er hat Verdienste, beansprucht aber keine Tugend für sich – dies ist die Vollendung der Güte.« Dies besagt, dass er sich trotz seiner Verdienste unter die Menschen stellt.
Von der Tugend sagt man, sie sei überreich; von den Riten sagt man, sie seien ehrerbietig. Die Bescheidenheit ist es, die durch vollendete Ehrerbietung ihren Platz bewahrt.
Mühen zu tragen, ohne sich zu brüsten, Verdienste zu haben, ohne sie als Tugend anzurechnen – das ist der Gipfel innerer Fülle. Es besagt, dass er sich seiner Verdienste wegen bescheidet und sich vor anderen beugt.
Betrachtet man seine Tugend, so ist sie überreich; betrachtet man seine Haltung des Anstands, so ist sie vollkommen ehrerbietig: Das eben heißt Bescheidenheit. Bescheidenheit bedeutet, durch vollste Ehrerbietung seinen Rang zu wahren. Wahren meint behüten.
Indem man voll Ehrerbietung und Demut seinen Platz hütet, ist man hochgestellt, ohne in Gefahr zu geraten, und voll, ohne überzulaufen; darum kann man am Ende Heil erlangen.
Wenn der Edle Bescheidenheit übt, so ist dies sein beständiger Wandel, den er nicht tut, um seinen Rang zu sichern.
Dass hier davon gesprochen wird, seinen Rang zu bewahren, liegt daran, dass vollendete Ehrerbietung vermag, die Stellung zu halten; so ist der Weg der Bescheidenheit beschaffen.
Es ist wie mit dem Spruch: »Wer Gutes tut, erlangt einen guten Namen.« Tut der Edle denn das Gute um des guten Namens willen? Es heißt bloß, dass der gute Name die natürliche Folge des Guten ist.