Die Fünf nimmt den Herrschersitz ein, weilt in der Mitte und besitzt das Rechte; sie verwirklicht das Vollmaß des Zusammenhaltens.
Der Weg des Fürsten, die Welt an sich zu binden, besteht darin, die Lauterkeit seiner Gemeinschaft offen darzulegen: den Dingen mit aufrichtigem Herzen zu begegnen, Nachsicht zu üben, eine milde Verwaltung walten zu lassen und Wohltaten auszuteilen, sodass die Welt seinen Segen empfängt.
Handelt er so, wer unter dem Himmel würde sich ihm nicht anschließen?
Wollte er jedoch kleinliche Gnade zur Schau stellen, vom rechten Weg abweichen und nach Ruhm heischen, um die Gunst der Unteren zu buhlen, so wäre sein Weg gar eng; wie vermöchte er damit das Vertrauen der Welt zu gewinnen?
Darum nahm der Weise für Neun an fünfter Stelle das Gleichnis der dreiseitigen Jagd: »Der König wendet das dreiseitige Treiben an und verliert das vordere Wild; die Bürger der Stadt bedürfen keiner Warnung: Heil.« Die alten Könige durften die herbstliche Jagd nicht vernachlässigen; darum dehnten sie ihr gütiges Gemüt auf das Zeremoniell des dreiseitigen Treibens aus – wie das Ritual sagt: »Der Himmelssohn schließt das Umzingeln nicht ringsum.« König Tangs Gebet beim Ausspannen des Netzes birgt denselben Sinn: Die Jagd schließt drei Seiten ab und lässt nach vorn einen Weg offen, auf dem das Wild entkommen kann; er ertrug es nicht, alles Leben zu tilgen, und ehrte das Gedeihen der Natur.
Man erlegte nur jenes Wild, das sich nicht fügte und, statt zu fliehen, auf den Jäger zustürmte; jene Tiere, die nach vorn entwichen, blieben verschont; darum heißt es: »er verliert das vordere Wild«.
Offenbart der Herrscher seinen Weg des Bundes, so strömen die Menschen von selbst herbei; wer kommt, wird behütet, doch buhlt er nicht ängstlich um die Dinge.
Gleich der Jagd mit dreiseitigem Kessel lässt man die Entfliehenden ziehen, ohne ihnen nachzusetzen, und nimmt nur an, was freiwillig naht. Dies ist die Größe königlichen Wirkens, bei dem das Volk in heiterer Ruhe lebt, ohne die leitende Hand zu spüren.
»Die Bürger der Stadt bedürfen keiner Warnung: Heil« kündet von vollkommener Unparteilichkeit, die keinen Unterschied zwischen Nah und Fern, Vertraut und Fremd kennt. »Yì« meint die eigene Residenz oder Hauptstadt. »Jiè« meint Verabredung oder militärische Wachsamkeit.
Da der Herrscher allen Wesen mit gleichem Wohlwollen begegnet, bedarf es im eigenen Bezirk keiner Einschüchterung oder Alarmierung; so erwächst Heil. Dass der Weise die Welt in uneigennütziger Offenheit regiert, zeigt sich im leuchtenden Zusammenhalten.
Nicht allein für Herrscher gilt dies; für jede menschliche Beziehung ist es maßgebend: Dient der Minister dem Fürsten mit ganzer Treue und Begabung, offenbart er seinen Bund; ob der Herrscher ihn verwendet, liegt bei diesem allein – man darf sich nicht durch Schmeichelei anbiedern.
Ebenso verhält es sich unter Freunden: Man läutere sich selbst und trete dem anderen aufrichtig entgegen; ob er Zuneigung schenkt, steht bei ihm – man darf nicht mit gefälligen Worten und erzwungener Ergebenheit um Gunst buhlen.
In Sippe und Nachbarschaft gilt ausnahmslos dasselbe: Dies ist der tiefe Sinn von »beim dreiseitigen Treiben das vordere Wild verlieren«.